Liebe Leserin und lieber Leser,

in den ersten eineinhalb Jahren des Healthy Diversity Projekts ist viel passiert! Einige Meilensteine wurden in den letzten Monaten, seit dem transnationalen Partnertreffen, das von 1. bis 2. Dezember 2016 an der Universität Wien stattgefunden hat, erreicht.

Bei Healthy Diversity handelt es sich um eine Strategische Partnerschaft im Bereich Berufliche Bildung, finanziert durch Mittel des Erasmus+ Programms. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Gesundheitspersonal und Führungskräfte von Gesundheitsinstitutionen dabei zu unterstützen, besser auf die Bedürfnisse einer heterogenen Patientenschaft eingehen zu können – auch, um Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem zu reduzieren und bestehenden Formen von Diskriminierung entgegenzuwirken.

Die Forschungsmethoden und Projektaktivitäten gründen auf der Methode der Kritischen Erlebnisse, die von der französischen Sozialpsychologin Margalit Cohen-Emerique entwickelt wurde. Ihr Ansatz stellt eine sinnvolle Strategie dar, jene kulturellen Normen, Werte und Verhaltensweisen zu ergründen, die Menschen in ihrem täglichen Leben meist als selbstverständlich ansehen (wie z.B. geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Konzepte über Leben und Gesundheit). Die Methode der Kritischen Erlebnisse macht bewusst, dass es sich bei der Vorstellung kultureller Neutralität um eine Illusion handelt. Sie lädt dazu ein, die unterschiedlichen kulturellen Referenzsysteme auf eine systematische und dadurch objektivere Art und Weise zu untersuchen. Dabei eröffnen sich Spielräume zur Dekonstruktion und Aushandlung von Konfliktsituationen, innerhalb derer versucht wird, Vorurteile und Stereotypen außenvorzulassen. Jenseits davon, Gründe für Spannungen und Probleme bloß anzuerkennen, wird die Entwicklung von konkreten Lösungen befördert.

Um anhand von praktischen Beispielen darstellen zu können, welche Bedeutung kultureller Diversität im Gesundheitsbereich zukommen kann, sammelten wir in der Forschungsphase in allen Partnerländern Kritische Erlebnisse in Workshops und Einzelinterviews mit Personen, die in Gesundheitsberufen arbeiten. 59 dieser Fälle wurden analysiert und in einem praktischen Handbuch für die Arbeit im Gesundheitsbereich aufbereitet. Das Handbuch lädt zur Auseinandersetzung mit diesen Szenarien ein, die typische Situationen bei der Arbeit mit Patienten/Patientinnen, mit Kollegen/Kolleginnen und in Gesundheitsinstitutionen repräsentieren. Das Handbuch ist als Webversion, als pdf und als ePub bald in allen 6 Partnersprachen verfügbar: www.healthydiversity.eu

Aktuell wird auch eine weitere Schulungsunterlage fertiggestellt – ein Reader zu Medizinischer Anthropologie. Der Reader enthält eine Zusammenschau von Kurzfassungen wichtiger Texte aus den sechs Partnerländern. Aufbauend auf einer Recherche darüber, was in den letzten 10 Jahren in den unterschiedlichen nationalen Kontexten im Bereich Medizinischer Anthropologie publiziert wurde, erstellten wir eine Liste mit 60 Artikeln, von denen schließlich 13 für den Reader ausgewählt wurden. In diesen 13 Artikeln vermitteln konkrete Fallstudien einen Einblick davon, wie sich Vorstellungen über Gesundheit und mit Gesundheit verbundene Praktiken kulturell unterscheiden können – aus ethnographischer, soziologischer und anthropologischer Perspektive.