Zu Beginn des Projekts wurden in allen sechs Ländern Workshops mit Personen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, durchgeführt. Das österreichische Projektteam bot im November 2016 einen weiteren Workshop für Hochschullehrende an, zur Analyse von Kritischen Erlebnissen in der Lehre. Die Lehrenden lernten Margalit Cohen-Emeriques Methodologie kennen und schulten ihre transkulturellen Kompetenzen. Nach einer Einführung in zentrale Konzepte – Kultur, Kulturschock, Zonen erhöhter Verletzlichkeit –, erlernten die Lehrenden die Methode der Dezentrierung, eine systematische Befragung eigener Wertvorstellungen anhand einer Übung mit emotional aufgeladenen Bildern. Die Bilder zeigen kulturell variable Praxen in Bezug auf Hygiene, sexuelle Normen, Heilpraktiken etc., die im Raum aufgehängt werden. Die Teilnehmer/-innen entscheiden sich jeweils für das Bild, das bei ihnen die stärkste emotionale Reaktion (positiv wie negativ) auslöst. Im Anschluss daran versuchen sie zuerst neutral zu beschreiben, was auf dem Bild gezeigt wird. Danach sprechen sie über die Gefühle, die das Bild bei ihnen auslöst und schließlich versuchen sie herauszuarbeiten, welche eigenen Wertvorstellungen dahinter liegen.

Schließlich wendeten sich die Hochschullehrenden eigenen Erfahrungen zu und notierten ein Kritisches Erlebnis aus der Lehre. Gemeinsam im Plenum wurde eines dieser Erlebnisse nach der 7-Schritt-Methode von Margalit Cohen-Emerique analysiert. Die Gruppe fokussierte dabei auf die Rekonstruktion der unterschiedlichen Wertvorstellungen und kulturellen Bezugsrahmen der in die Situation involvierten Personen. Durch diese Befragung von Wertvorstellungen und das Einüben eines Perspektivwechsels hin zu den Wertvorstellungen von anderen wurde versucht, die Situation auf eine differenzierte Art und Weise zu betrachten und eine Vielfalt von Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Aufgrund des Erfolgs dieses Workshops fanden 2017 an der Universität Wien noch drei weitere statt: einer mit Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, einer mit Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen einer NGO und einer mit Hochschullehrenden.

Auch in Palermo wurde ein weiterer Workshop zu Dezentrierung mit EVS-Freiwilligen durchgeführt, der von einer Partnerorganisation veranstaltet wurde, die mit Personen mit Behinderung arbeitet. Die Teilnehmer/-innen beschreiben diese Workshops in vielen Fällen als inspirierende und wertvolle Erfahrung, die ihre tägliche Arbeit direkt positiv beeinflussen kann. Die Bedeutung der Cohen-Emerique-Methodologie für unterschiedliche Berufsfelder wurde durch die von uns durchgeführten Workshops immer wieder untermauert.