Die Elemente des Healthy Diversity Good Practice Bewertungsinstruments

Das Bewertungsinstrument besteht aus beschreibenden und bewertenden Elementen, wie in nebenstehender Abbildung dargestellt.

Um die BESCHREIBENDEN Elemente zu erheben, schlagen wir eine Reihe von Fragen vor, um ein detailliertes Bild über die Zielsetzungen und die Maßnahmen zu erhalten.

Für die Erfassung der BEWERTENDEN Elemente sind in der Vorlage Fragen zur Analyse und Dokumentation unterschiedlicher Aspekte angeführt.

Beschreibende Elemente

Kontext

FRAGESTELLUNGEN:

  • Was sind die Voraussetzungen und was ist der Kontext der Good Practice?
  • Kategorisierung: Geht es um eine Good Practice im Bereich Diversitätsmanagement oder im Bereich interkultureller Kommunikation?
  • Um welche Felder im Gesundheitswesen handelt es sich?

WELCHE KONTEXTFAKTOREN SIND FÜR DAS BEWERTUNGSINSTRUMENT RELEVANT?

WORAUF RICHTET SICH DIE ANALYSIERTE PRAXIS?

  • Auf Abläufe in der Gesundheitsversorgung, z.B. Notfallversorgung, medizinische Behandlung etc.
  • Auf Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen, z.B. Berufsausbildung, Praktika, Organisationstraining etc.
  • Auf den Umgang mit spezifischen Bedürfnissen, z.B. Dolmetschen, religiöse/kulturelle Einrichtungen, Umwelteinrichtungen

KATEGORIEN:

  • Organisationale Leistungen zur Umsetzung von Diversitätsmanagement in Gesundheitseinrichtungen, z.B. Managementabläufe in einer Krankenhausstation
  • Schulung und Entwicklung von interkulturellen Fähigkeiten und Kompetenzen, um unterschiedlichen Nutzern/Nutzerinnen und unterschiedlichen Anforderungen an Gesundheitsdienstleistungen gerecht zu werden
  • Viele Good Practice Beispiele können sowohl dem Diversitätsmanagement als auch der Entwicklung interkultureller Kompetenz zugeordnet werden

FELDER IM PRIMÄREN GESUNDHEITSSEKTOR:

  • Lokale Gesundheitsversorgungszentren, Ambulanzen, Pflegeheime etc.
  • Praktische Ärzte/Ärztinnen und Fachärzte/-ärztinnen
  • NGOs, private Dienstleister/-innen

FELDER IM SEKUNDÄREN GESUNDHEITSSEKTOR:

  • Krankenhäuser, inklusive Krankenhausstationen: chirurgische, psychiatrische, Notfallstationen
  • Hospize

 

Akteure/Akteurinnen und Zielgruppen

FRAGESTELLUNGEN:

  • Welche Akteure/Akteurinnen sind in die Praxis involviert und wie gestalten sich ihre Beziehungen?
  • Welche Stakeholder spielen für die Praxis eine Rolle – direkt und indirekt?
  • Was sind die spezifischen Zielgruppen der Praxis?

WAS IST MIT AKTEUREN/AKTEURINNEN UND ZIELGRUPPEN GEMEINT?

Maßnahmen, die Diversitätsmanagement und interkulturelle Kommunikation im Gesundheitswesen fördern, können viele verschiedene Akteure/Akteurinnen, Zielgruppen und Stakeholder involvieren. In manchen Fällen können sich Akteure/Akteurinnen und Zielgruppen unterschiedliche Personengruppen umfassen, weshalb es wichtig ist, zwischen den beiden Kategorien zu unterscheiden. Für die Beschreibung einer Good Practice sollten die verschiedenen Rollen und Positionen, die Akteure/Akteurinnen, Zielgruppen und Stakeholder innehaben, reflektiert werden. Das kann auch eine Beschreibung der Beziehungen zwischen Akteuren/Akteurinnen und Zielgruppen umfassen.

AKTEURE/AKTEURINNEN UND BEZIEHUNGEN:

Mit Akteuren/Akteurinnen werden alle Menschen bezeichnet, die direkt oder indirekt in die Maßnahme involviert und von ihr betroffen sind. Das können Fachkräfte sowie Patienten/Patientinnen in unterschiedlichen Beziehungskonstellationen sein, z.B.:

  • Medizinische Fachkräfte und Patienten/Patientinnen
  • Medizinische Fachkräfte und Angehörige
  • Medizinische Fachkräfte und Management oder Kollegen/Kolleginnen
  • Patienten/Patientinnen und Angehörige

ZIELGRUPPEN:

Zielgruppen sind Personen, die von neuen Maßnahmen betroffen sind und von Veränderungen oder Verbesserungen profitieren. Z. B.: Durch neues Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen erhalten Personen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen Informationen über Patienten-/Patientinnenrechte und Abläufe während ihres Krankenhausaufenthalts in ihrer Erstsprache.

Gesamt- und Teilziele

FRAGESTELLUNGEN:

  • Was sind die Gesamtziele der Maßnahme, so wie von den Verantwortlichen und Involvierten formuliert?
  • Was sind die konkreten Teilziele, die mit dieser Maßnahme implementiert werden sollen?

WAS WIRD UNTER GESAMT- UND TEILZIELEN VERSTANDEN?

Ein grundlegender Bestandteil des Bewertungsprozesses ist die Beschreibung der Gesamtziele und der konkreten Teilziele der Good Practice. Je präziser die Ziele bestimmt werden, desto leichter ist es, die weitere Analyse durchzuführen und zu bestimmen, warum die Praxis funktioniert. Die Gesamtziele leiten sich aus einer politischen/übergreifenden Gesamtstrategie ab, während sich die Teilziele auf die Implementierungsebene beziehen, wo angepasste Maßnahmen und Methoden zur Erreichung der Gesamtziele ausgewählt werden. Die Gesamt- und Teilziele sind eng miteinander verbunden; ihre Beschreibung erfolgt jedoch in zwei voneinander getrennten Schritten.

GESAMTZIELE:

Die Gesamtziele verfolgen normalerweise eine langfristige Perspektive. Gesamtziele decken sich mit politisch-strategischen Intentionen und Prinzipien, wie der Bereitstellung des gleichen Zugangs zu Sozialleistungen für alle oder Verbesserung von Serviceorientierung und Wirtschaftlichkeit durch gesteigerte Effizienz innerhalb bestimmter Sektoren etc. Ein Gesamtziel kann etwa sein, mit der Etablierung eines dauerhaften Dolmetschdiensts in Krankenhäusern den Zugang zu Behandlung für Patienten/Patientinnen unterschiedlichster Erstsprachen sicherzustellen. Ein anderes Gesamtziel könnte sein, die Wartezeit für bestimmte Operationen durch verbesserte Kooperation zwischen praktischen Ärzten/Ärztinnen und Krankenhausverwaltung zu verkürzen.

TEILZIELE:

Die konkreten Teilziele beziehen sich direkter auf den Maßnahmenplan und die Methoden, die zur Erreichung der Gesamtziele verwendet werden. Sie bewegen sich daher auf der implementierend-strategischen Ebene und beinhalten vielfach den Einsatz neuer Maßnahmen oder Methoden sowie die Schaffung neuer organisationaler und kooperativer Strukturen. Wenn der flächendeckende Einsatz von Dolmetschern/Dolmetscherinnen in allen öffentlichen Krankenhäusern das Gesamtziel darstellt, könnte die Entwicklung einer speziellen Ausbildung für Dolmetscher/-innen im Gesundheitsbereich ein konkretes Teilziel sein, um das Vorhandensein adäquater Fachkompetenz zu garantieren. Ein anderes Teilziel könnte die Entwicklung neuer organisationaler Abläufe für die Einbindung von Dolmetschern/Dolmetscherinnen in allen Situationen, in denen Patienten/Patientinnen und Angehörige im Krankenhaus einen Übersetzungsservice benötigen, sein.

Zugang, Maßnahmen, Methoden

RAGESTELLUNGEN:

  • Welcher theoretisch-methodische Zugang wird in der Maßnahme verwendet?
  • Welche konkreten Maßnahmen werden implementiert und wie?
  • Welche der verwendeten Methoden unterstützen die Maßnahmen und auf welche Weise?

WAS WIRD UNTER DEM PUNKT ZUGANG, MASSNAHMEN UND METHODEN BESCHRIEBEN?

Der theoretisch-methodische Zugang und die Wahl der verwendeten Maßnahmen und Methoden sind in der Good Practice eng mit den Teilzielen verbunden und von diesen abgeleitet.

THEORETISCH-METHODISCHER ZUGANG:

Der theoretisch-methodische Zugang kann als programmatische Theorie für die Good Practice definiert werden, die die Maßnahme mit dem Gesamtziel und den Teilzielen verbindet sowie mit dem professionellen Kontext, in dem sie wirken soll. Darüber hinaus beschreibt der theoretisch-methodische Zugang, warum die neuen Maßnahmen als bester methodischer Weg betrachtet werden, um die erwünschten Ergebnisse zu erzielen.

MASSNAHMEN UND METHODEN:

Ein Beispiel ist die Etablierung eines neuen Dolmetschdiensts durch Kooperation mit externen Dolmetschern/Dolmetscherinnen oder Dolmetsch-agenturen als dauerhafte Lösung für die Organisation von Dolmetschtätigkeiten in einem Krankenhaus oder Gesundheitszentrum.

Ein anderes Beispiel ist die Etablierung eines hauseigenen Dolmetschdiensts, bei dem das Krankenhaus oder das Gesundheitszentrum die Kosten innerbetrieblich verrechnet.

Ein anderer methodischer Ansatz wäre die Entwicklung eines innovativen Modells, bei dem die Dolmetscher/-innen gleichzeitig als Mentoren/Mentorinnen im Krankenhaus für Migranten/Migrantinnen, die sprachliche Unterstützung benötigen, eingesetzt werden.

Bewertungselemente

Ergebnisse, Effekte, Auswirkungen

RAGESTELLUNGEN:

  • Was ist der Unterschied zwischen Ergebnissen, Effekten und Auswirkungen?
  • Warum arbeiten wir mit dieser Unterscheidung und verschiedenen Bewertungsebenen?
  • Welcher Fokus und welche Perspektiven sind charakteristisch für jede Bewertungsebene?
  • Wie ergänzen sich die Bewertungsebenen gegenseitig?

WIE WERDEN ERGEBNISSE, EFFEKTE UND AUSWIRKUNGEN EINER GOOD PRACTICE UNTERSCHIEDEN?

Bei der Bewertung einer Good Practice wird zwischen Ergebnissen, Effekten und Auswirkungen unterschieden, um folgende Ebenen analytisch zu trennen:

  • Die Ergebnisebene: Ob und in welchem Ausmaß erreicht die neue Maßnahme die Gesamt- und Teilziele?
  • Die Effektebene: Erzielt die neue Maßnahme den gewünschten Effekt – oder hat sie möglicherweise andere positive oder relevante Nebenwirkungen?
  • Die Auswirkungsebene: Wie und aufgrund welcher Mittel – den sogenannten Wirkmechanismen – funktioniert die neue Maßnahme und führt zum gewünschten Effekt?

Die Bewertungsebenen sollen sich gegenseitig ergänzen und nuancierte, operationale Einblicke in Stärke und Nachhaltigkeit der Veränderung durch die Good Practice bieten.

Durch Kombination der Bewertung dieser drei Ebenen erhalten wir ein detailliertes Bild der Ergebnisse und Veränderungen, die die neue Maßnahme verursacht. Des Weiteren erhalten wir ein konkretes Verständnis der Maßnahmen und Methoden und der Faktoren, die die gewünschten Effekte in dem bestimmten Kontext und für die spezifische Zielgruppe begünstigen. Wir lernen, was nicht funktioniert und was modifiziert werden muss, um die Effekte und Ergebnisse in anderen Kontexten zu erzielen.

Die Bewertungsebene Der Bewertungsfokus Die Bewertungsperspektive
Ergebnisbewertung und -monitoring Erfüllung von Gesamt- und Teilzielen Ergebnisperspektive langfristig
Effektbewertung Konsequenzen und intendierte Verbesserungen Veränderungsperspektive kurz-, langfristig
Bewertung der Auswirkung von Mechanismen Funktionieren und methodische Quellen Lernperspektive kurzfristig, kontinuierlich

DIE ERGEBNISEBENE IN DER GOOD PRACTICE BEWERTUNG

Bei dem Fokus auf die Ergebnisebene überprüfen wir, ob die gewünschten Gesamt- und Teilziele für die neue Maßnahme im Zuge ihrer Implementierung wirklich erreicht wurden.

DIE ZEITPERSPEKTIVE IN DER ERGEBNISBEWERTUNG:

Es ist sinnvoll, eine Ergebnisbewertung vorzunehmen, wenn die neue Maßnahme bereits über eine längere Zeit eingesetzt wurde, vor allem bei Langzeit-Projekten und Maßnahmen mit langfristigen Gesamtzielen und mehreren Teilzielen, die erfüllt werden sollen.

Allerdings lohnt es sich oft, regelmäßiges Monitoring durchzuführen und Stichproben zu ziehen, um zu prüfen, ob die Maßnahmen auf dem richtigen Weg sind und wie wahrscheinlich es ist, im Sinne der Gesamtziele und Teilziele erfolgreich zu sein.

BEISPIEL:

Gesamtziele

  • Die Mortalität von Diabetes-2-Patienten/Patientinnen mit Migrationshintergrund reduzieren
  • Kostenanstieg für Diabetesbehandlung durch Optimierung der Behandlung von Diabetes-2- Patienten/Patientinnen mit Migrationshintergrund reduzieren

Teilziele

Neue Kampagne etablieren, die aufbaut auf:

  • Verbreitung einer speziellen mehrsprachigen Broschüre mit Ernährungsempfehlungen für die Zielgruppe
  • Gemeinschaftsbezogene Diabetes-Workshops in Kooperation mit lokalen Minderheitenvereinigungen und Gesundheitsbehörden

Ergebnisse

  • Abnahme der Sterberate, die auf schlecht/nicht behandelte Diabetes 2 in der Zielgruppe zurückzuführen ist
  • Abnahme des Anteils neuer Diabetes-2-Fälle in der Zielgruppe

DIE EFFEKTEBENE IN DER GOOD PRACTICE BEWERTUNG

Bei dem Fokus auf die Effekte wird analysiert, ob die neue Maßnahme die gewünschte Veränderung bewirkt, z.B. die Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe besser erfüllt, zu Verbesserungen im institutionellen-organisationalen Kontext führt oder auf Einstellungen, Verhalten und Kompetenz des Fachpersonals wirkt. Durch die Bewertung des Effekts gehen wir einen Schritt weiter als nur die Erfüllung der Gesamt- und Teilziele zu betrachten und fokussieren auf die Nachhaltigkeit der Veränderung.

ZEITPERSPEKTIVE IN DER VERÄNDERUNGSBEWERTUNG:

Oft dauert es länger, bis ein bestimmter Effekt zutage tritt. Daher müssen Messungen langfristig durchgeführt und gleichzeitig regelmäßig überprüft werden, um die Maßnahmen und Methoden hinsichtlich ihres gewünschten Effekts zu bewerten.

BEISPIELE:

Gesamtziele

  • Mortalität von Diabetes-2- Patienten/Patientinnen mit Migrationshintergrund reduzieren
  • Kostenanstieg für Diabetesbehandlung durch Optimierung der Behandlung von Diabetes-2- Patienten/Patientinnen mit Migrationshintergrund reduzieren

Teilziele

Neue Kampagne etablieren, die aufbaut auf:

  • Verbreitung einer speziellen mehrsprachigen Broschüre mit Ernährungsempfehlungen für die Zielgruppe
  • Gemeinschaftsbezogene Diabetes-Workshops in Kooperation mit lokalen Minderheitenvereinigungen und Gesundheitsbehörden

Effekte

  • Signifikanter Rückgang der Klinikaufnahmen von Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe nach der Kampagne
  • Signifikanter Anstieg präventiver Konsultationen von Angehörigen von Risikogruppen in der Zielgruppe durch praktische Ärzte/Ärztinnen
  • Signifikante Verbesserung der allgemeinen Gesundheit von Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe nach der Kampagne
  • Signifikanter Anstieg der Annahme von Angeboten körperlicher Betätigung in der Zielgruppe

DIE AUSWIRKUNGSEBENE IN DER GOOD PRACTICE BEWERTUNG

Bei dem Fokus auf die Auswirkungen, analysieren wir, wie und warum die Maßnahmen und Methoden, die in der neuen Maßnahme verwendet werden, die gewünschten Effekte und Ergebnisse unterstützen und fördern. Durch Bewertung der Auswirkungen betrachten wir die Maßnahme und den Implementierungsprozess mit einem Vergrößerungsglas. Durch diese genaue Analyse untersuchen wir die Beziehung und kausalen Verbindungen zwischen den Maßnahmen und Methoden sowie die Voraussetzungen, Bedürfnisse, Erfordernisse und Verhaltensänderungen in der Zielgruppe.

Die Auswirkungsbewertung baut auf der Analyse der Wirkmechanismen auf. Diese bezeichnen die Maßnahmen, Methoden und Prozesse, die die Erreichung der erwünschten Ergebnisse und Effekte unterstützen. Bei der Analyse der Wirkmechanismen untersuchen wir, wie und warum die Maßnahme für die bestimmte Zielgruppe und in dem bestimmten Kontext funktioniert.

Wir können beispielsweise fragen: Warum werden Diabetes-2-Patienten/Patientinnen, die einer bestimmten migrantischen Gemeinschaft angehören, durch gemeinschaftsbasierte Workshops zu einer Änderung von Lebensstil und Ernährungsverhalten bewegt und wie kann ihr Vertrauen in lokal ansässige praktische Ärzte/Ärztinnen gesteigert werden?

Ein Wirkmechanismus könnte die Kooperation mit und die Präsenz der lokalen Gemeinschaft in den Workshops sein. Ein anderer Wirkmechanismus könnte sein, dass durch die Kampagne eine Verbindung von tradierten Verhaltensweisen und Ernährungsvorschlägen hergestellt werden kann.

DIE ZEITPERSPEKTIVE IN DER AUSWIRKUNGSBEWERTUNG:

Die Bewertung von Auswirkungen sollte regelmäßig durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass hinderliche Faktoren und Zustände so früh wie möglich erkannt und angepasst werden. Das können falsche Methoden oder ungünstige organisationale Strukturen sein, die der Wirksamkeit der Praxis entgegenstehen. Oft sind solche Faktoren am Beginn einer neuen Maßnahme nicht sichtbar, sondern erst, wenn die kontinuierliche Auswirkungsbewertung offenbart, wie und warum die neue Maßnahme nicht die gewünschten Ergebnisse und Effekte produziert. Die Prozessanalyse der Auswirkung und Wirkmechanismen kann hinderliche Faktoren identifizieren.

Erfolgsindikatoren

RAGESTELLUNGEN:

  • Was ist die Verbindung zwischen Erfolgsindikatoren, Gesamt- und Teilzielen?
  • Was können Erfolgsindikatoren für Ergebnisse, Effekte und Auswirkung von Good Practice sein?

VERBINDUNG ZWISCHEN ERFOLGSINDIKATOREN, GESAMT- UND TEILZIELEN IN DER GOOD PRACTICE

Die Erfolgsindikatoren sind die Faktoren, die die Erreichung der Gesamt- und Teilziele anzeigen. Sie können als Messkriterien im Bewertungsinstrument definiert werden. Durch die Erfüllung der Erfolgskriterien können wir schließen, ob die neue Maßnahme zu den gewünschten Ergebnissen und Effekten führt – und weiter, was die spezifischen effektiven Mechanismen hinter den Ergebnissen und dem Effekt sind.

ALLGEMEINE ERFOLGSINDIKATOREN FÜR DIVERSITTÄTSMANAGEMENT UND INTERKULTURELLE KOMPETENZEN

Bezogen auf Gesamt- und Teilziele können sich die Erfolgsindikatoren auf Maßnahmen auf verschiedene Ebenen im gesamten Gesundheitssektor beziehen:

  • Politische Ebene: Änderungen des rechtlichen Rahmens – allgemeine Verbesserung in Bezug auf Gleichbehandlung und Antidiskriminierung, daher direkt oder indirekt Verbesserung der Rahmenbedingungen für Diversitätsmanagement und interkulturelle Kommunikation in Gesundheitsinstitutionen
  • Institutionelle Ebene: Änderungen im organisationalen Rahmen zur Unterstützung und Förderung von Diversitätsprozessen
  • Kompetenzebene: Änderungen der beruflichen Kompetenzen, Werte, Glaubenssätze, Verhalten der medizinischen Fachkräfte, um Diversität und interkulturelle Verständigung im beruflichen Alltag zu implementieren

Obwohl die Erfolgsindikatoren von den Gesamt- und Teilzielen für die spezifische Zielgruppe abgeleitet werden sollen, bestimmen wir Erfolgsindikatoren, die besonders relevant für die Stärkung von Diversität und Interkulturalität im Gesundheitswesen sind. Diese Beispiele können als Unterstützung für die Definition von Erfolgsindikatoren gesehen werden, wenn medizinische Fachkräfte neue Maßnahmen zur Verbesserung von Diversitätsmanagement und interkulturellen Kompetenzen im Gesundheitswesen entwickeln und implementieren möchten.

MESSBARKEIT UND MESSUNG VON DATEN UND METHODEN

Erfolgsindikatoren können sich auf quantitative wie qualitative Messungen beziehen. Wenn die Indikatoren festgelegt werden, müssen wir fragen: Welche Art von Daten sind für die Messung geeignet, welche Art von Daten können die Indikatoren auf andere Weise beleuchten?

METHODISCHE TRIANGULATION:

Der Fokus kann auf quantitativen (z.B. Anzahl/Prozent einer bestimmten Zielgruppe, die ihr Verhalten auf eine bestimmte Weise ändert, siehe Diabetes-2-Patienten/-innen) oder qualitativen/interpretativen Analysen liegen (z.B. Wenn Diabetes-2- Patienten/-innen nach ihrer persönlichen Erfahrung mit neuen Diäten gefragt werden, dann benötigen die subjektiven Antworten einer Interpretation).

Wenn große Projekte und neue Maßnahmen implementiert werden, bedürfen wir verschiedener Daten, Messungen und Analysen, um die Ergebnisse, Effekte und Auswirkungen auf kurz- wie langfristiger Basis zu bewerten. Daher sollte eine Methodentriangulation angewendet werden, d. h. eine Kombination verschiedener Datenquellen und Messmethoden. Durch Untersuchung der Ergebnisse, Effekte und Auswirkungen mit verschiedenen Datenquellen und Methoden können wir eine bessere Validität der Schlussfolgerungen und Empfehlungen sicherstellen. Datenquellen können sein:

Beispiele quantitativer Datenquellen Beispiele qualitativer Datenquellen
  • Registerdaten
  • Statistiken, statistische Analysen
  • Umfragen
  • Sekundäranalysen
  • Interviews (strukturierte, halbstrukturierte, narrative, assoziative)
  • Fokusgruppen
  • Explorative Workshops
  • Feldstudien und -beobachtungen

ERFOLGSINDIKATOREN FÜR DIE ERGEBNISSE EINER GOOD PRACTICE

Wenn wir das oben stehende Beispiel bei der Ergebnisbewertung heranziehen, können wir bestimmte Erfolgsindikatoren definieren:

Ergebnisse

  • Rückgang der Todesfälle aufgrund schlecht/nicht behandelter Diabetes-2-Fälle in der Zielgruppe
  • Rückgang neuer Diabetes-2-Fälle in der Zielgruppe

Erfolgs- indikatoren

  • Rückgang der Todesfälle durch Diabetes 2 und ähnliche Krankheiten in der Zielgruppe um 20 % innerhalb von drei Jahren
  • Rückgang von neuen Diabetes-2-Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe um 20% innerhalb von drei Jahren
  • Verbreitung von mehrsprachigen Broschüren an min. 90 % aller bekannten Diabetes-2- Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe

Andere Beispiele:

  • Etablierung und Verbreitung eines Verhaltenskodex für interkulturelles Verständnis und interkulturelle Kommunikation in Gesundheitsinstitutionen im primären und sekundären Sektor
  • Gleicher Zugang zu Bildung und Beschäftigung im Gesundheitswesen durch neue Methoden, z.B. Diversitätsmanagement bei der Einstellung neuer Mitarbeiter/-innen
  • Neue organisationale Strukturen und Prozesse für die ärztliche Beurteilung von Patenten/Patientinnen mit Migrationshintergrund
  • Dauerhaftes Dolmetschservice mit festen Regeln für die Bereitstellung und den Einbezug von Dolmetschern/Dolmetscherinnen in allen Krankenhausstationen
  • Schaffung eines institutionellen Rahmens für formale Kooperationen zwischen Patienten/Patientinnen, Angehörigen und medizinischen Fachkräften
  • Verbesserter Zugang zu verschiedenen Gesundheitsdienstleistungen für Personen mit Migrationshintergrund
  • Rückgang des Anteils formaler und erlebter Diskriminierung von medizinischen Fachkräfte mit Migrationshintergrund im Berufsalltag etc.

ERFOLGSINDIKATOREN FÜR DIE EFFEKTE EINER GOOD PRACTICE

Zum vorherigen Beispiel der Effektbewertung können wir folgende spezifische Erfolgsindikatoren hinzufügen:

Effekte

  • Signifikanter Rückgang der Klinikaufnahmen von Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe
  • Signifikant mehr präventive Konsultationen der Zielgruppe und anderen Risikogruppen durch praktische Ärzte/Ärztinnen
  • Signifikante Verbesserung des Gesundheitszustands von Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe

Erfolgs-indikatoren

  • 70 % der Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe ändern ihr Ernährungsverhalten
  • 50 % der Patienten/Patientinnen in der Zielgruppe steigern die Anzahl von präventiven Konsultationen
  • 80 % der Patienten/Patientinnen, die in die Maßnahme involviert waren, erleben stärkeres Wohlbefinden aufgrund des neuen Ernährungsverhaltens
  • 70 % der Patienten/Patientinnen, die in die Maßnahme involviert waren, nehmen verstärkt lokale Angebote zur körperlichen Betätigung wahr

 

Andere Beispiele von Erfolgsindikatoren:

  • Rückgang kurzfristiger Krankenhausaufnahmen von Patienten/Patientinnen mit Migrationshintergrund aufgrund einer effizienteren medizinischen Anamnese durch interkulturelles Verständnis
  • Besserer Einblick in nicht-westliche/Bessere Einbindung von nicht-westlichen Behandlungsmethoden von medizinischen Fachkräften aufgrund systematischer interkultureller Fortbildung
  • Höhere Heilungsrate von Patienten/Patientinnen mit Migrationshintergrund aufgrund früher einsetzender präventiver Maßnahmen in den lokalen Gemeinschaften und aufgrund einer systematischen Kooperation zwischen öffentlichen, privaten und freiwilligen Akteuren/Akteurinnen und Stakeholdern im Gesundheitswesen
  • Dauerhaftes Dolmetschservice mit festen Regeln für die Bereitstellung und den Einbezug von Dolmetschern/Dolmetscherinnen in allen Krankenhausstationen
  • Schaffung eines institutionellen Rahmens für formale Kooperationen zwischen Patienten/Patientinnen, Angehörigen und medizinischen Fachkräften
  • Verbesserter Zugang zu verschiedenen Gesundheitsdienstleistungen für Personen mit Migrationshintergrund
  • Besseres physisches und psychisches Wohlbefinden und größeres Vertrauen in das Gesundheitswesen von Personen mit Migrationshintergrund
  • Rückgang des Anteils formaler und erlebter Diskriminierung von medizinischen Fachkräften mit Migrationshintergrund im Berufsalltag etc.

 

Transfermöglichkeiten

FRAGESTELLUNGEN:

  • Welche Rahmenbedingungen braucht es zur Implementierung der Maßnahme?
  • Welche Fähigkeiten und Kompetenzen müssen vorhanden sein, um die Maßnahme zu implementieren und zu verankern?
  • Welche speziellen Schwerpunkte sollten beim Transfer beachtet werden?

WAS KÖNNEN RELEVANTE RAHMENBEDINGUNGEN SEIN?

Wenn eine Good Practice in einen anderen Kontext übertragen wird, muss auf die spezifischen Rahmenbedingungen des Ursprungskontexts geachtet werden. Selbst wenn die Maßnahme in einem ähnlichen Kontext entwickelt und implementiert wurde, kann der kontextuelle Rahmen bei näherer Betrachtung unterschiedlich sein. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen vor dem Transfer analysiert werden.

Strukturelle und institutionelle Rahmenbedingungen können sich auch bei Gesundheitsdienstleistungen derselben Art oder in einem ähnlichen Bereich unterscheiden, besonders über nationale Grenzen hinweg. Z.B. kann der wirtschaftliche Rahmen für eine Operation im Krankenhaus anders sein, oder die gesetzlichen Vorgaben und Abläufe. Dasselbe gilt für andere Finanzierungsformen, etwa private Zahlungen etc.

Darüber hinaus können die organisationalen Möglichkeiten, neue Maßnahmen zu implementieren, innerhalb eines Landes sowie zwischen Ländern divergieren. Für die Implementierung neuer Maßnahmen sind die Unterstützung durch das Management, organisationale Anpassungsfähigkeit sowie Motivation und Bereitschaft für Veränderung der Arbeitsmethoden von großer Bedeutung.

Jeder Versuch, eine Good Practice zu übertragen, sollte folgende Überlegungen beinhalten:

  • Was ist die finanzielle Basis der Good Practice – welche Ausgaben und Ressourcen sind von Nöten?
  • Wie wird die Good Practice gemanagt und organisiert – ist sie projektbasiert oder vollständig in eine Organisation eingegliedert?
  • Werden alle Mitarbeiter/-innen von der Good Practice profitieren – oder gibt es Nachteile für einige Mitarbeiter/-innen?