Über Healthy Diversity

In einer zunehmend vernetzten Welt, in der das Reisen sowie der Austausch von Information leichter von statten gehen als je zuvor, erhöht sich unser aller Wahrscheinlichkeit, Menschen oder Personengruppen kennenzulernen und mit ihnen zu interagieren, die andere Wertvorstellungen, Verhaltensweisen, Normen, Gewohnheiten, Rituale und Auffassungen von der Welt haben als wir selbst. Gesundheitsversorgung ist von solchen Situationen nicht ausgenommen: heterogenes Fachpersonal versorgt eine große Vielfalt an PatientInnen unterschiedlichster Hintergründe, mit diversen Bedürfnissen. Wenn sich die Fachkräfte nicht angemessen mit diesen Situationen befassen, kann das negative Auswirkungen auf ihre professionelle Leistung haben, Barrieren beim Zugang zum Gesundheitswesen herstellen und zu Missverständnissen, Fehldiagnosen, Verweigerung von Behandlung, Unter- und Fehlversorgung oder Diskriminierung führen.

Schulungsbedarf wurde in den folgenden Bereichen identifiziert:

Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen

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Abbau von Zugangsbarrieren zu Gesundheitsversorgung

Methoden, um den Bedürfnissen heterogener PatientInnen zu entsprechen

Primäres Ziel des Healthy Diversity Projekts ist die Stärkung von Kompetenzen auf Seiten des Fachpersonals und von Gesundheitsinstitutionen, um den Bedürfnissen einer kulturell diversen PatientInnenschaft Rechnung tragen zu können, dadurch Zugangsbarrieren zu Gesundheitsversorgung zu reduzieren und unterschiedliche Formen von Diskriminierung im Gesundheitsbereich abzubauen.

Zielgruppen

Unsere ICT-unterstützten Schulungsmaterialien sprechen folgende Zielgruppen an:

Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich, die mit heterogenen PatientInnengruppen arbeiten;

Führungskräfte von Dienstleistungsanbietern im Gesundheitsbereich sowie EntscheidungsträgerInnen;

Institutionen, die Fachpersonal im Gesundheitsbereich aus- und weiterbilden.

Methode der Kritischen Ereignisse für Healthy Diversity

Wirkt sich Kultur wirklich auf die tägliche Arbeit im Gesundheitsbereich aus? Bisherige Diversity-Ansätze stehen seit Anbeginn ihres Einsatzes vor der Herausforderung, einerseits den Einfluss von kulturellen Unterschieden zu sehr zu unterstreichen (und damit Gefahr zu laufen, Kultur überzubewerten und Unterschiede zu verstärken) und andererseits kulturelle, persönliche, ökonomische oder situative Unterschiede zu sehr zu dekonstruieren (und damit Gefahr zu laufen, die Bedeutung von Kultur zu dementieren). Lässt man dieses theoretische Spannungsfeld einmal außer Acht und wechselt die Perspektive in die Praxis des Gesundheits- und Sozialbereichs, dann stellt die Methode der Kritischen Erlebnisse der französischen Sozialpsychologin Margalit Cohen-Emerique einen gangbaren, verbindenden Weg zwischen diesen beiden Risiken dar.

Mit Hilfe dieser Methode werden kulturelle Normen, Werte und Verhaltensweisen in Kommunikationssituationen sichtbar gemacht. Dadurch wird aufgedeckt, wie man auf andere Menschen reagiert und Kommunikationssituationen interpretiert. Durch das Heben des oftmals negativen Gefühlsschleiers bei interkulturellen Kommunikationsproblemen, wird ein Bewusstsein geschaffen, dass man selbst eigentlich keineswegs ’kulturell neutral’ ist. Somit hilft die Methode, eigene kulturelle Referenzrahmen objektiver zu betrachten und eröffnet einen Spielraum für Aushandlung – ein Spielraum, in dem Vorurteile einen viel geringeren Stellenwert einnehmen.